41 Schulen und Kindergärten aus dem ganzen Kanton Bern haben sich um den Gestaltungspreis von lernwerk bern beworben – so viele wie noch nie. Eine Kistenstadt nach Montrealer Vorbild, ein Zaubercomputer und eine Flick-Aktion haben die Jury nun am meisten überzeugt. Zudem vergibt sie einen Corona Sonderpreis.

Der Gestaltungspreis gibt einen Überblick über das vielfältige Schaffen im Bildnerischen-, Textilen- und Technischen Gestalten in den Schulen und Kindergärten des Kantons Bern. Der Verein lernwerk bern honoriert die besten Eingaben jeweils mit einer Preissumme von insgesamt 2000 Franken. In diesem Jahr sind 41 Projekte eingegangen – so viele wie noch nie in der Geschichte des Preises.

Eine sechsköpfige Jury aus Fachpersonen und Laien hat nun die besten Eingaben ausgewählt. Wie innovativ und originell ist das Projekt? Wie viel kreativ-gestalterischen Freiraum lässt es den Schülerinnen und Schülern? Ist es technisch raffiniert umgesetzt und schafft es einen Bezug zur Lebenswelt der Kinder? Solche Fragen haben sich die Jurymitglieder gestellt und am 23. November schliesslich die Sieger gekürt. Speziell in diesem Jahr richtete sie auch einen Corona-Sonderpreis aus. Mit verschiedenen Projekten haben Gestaltungslehrpersonen den Heimunterricht für Kinder und Eltern bereichert.

Gestaltungspreis 2020 Projekte und Gewinner

1. Preis: Schulhaus Bitzius, Bern, «Kistenstadt»
Alle 290 Primarschülerinnen und -schüler haben in Gruppen- und Einzelarbeiten «Wohnungen» einer Kistenstadt gebaut. Als Vorbild diente ihnen das Habitat 68 in Montreal, als Material hatten sie lediglich Karton zur Verfügung. Entstanden ist schliesslich ein beeindruckendes Gesamtwerk.

Gestaltungspreis_2020_Bern_Kistenstadt

Fazit der Jury
Das Projekt lässt den Kindern grossen kreativen Freiraum bei gleichzeitig sehr reduzierter Auswahl an (Recycling-)Materialien und Werkzeugen. Bei der individuellen Ausgestaltung ihrer «Wohnungen» konnten sie sich gestalterisch und konstruktiv verwirklichen. Der Bereich Architektur und Wohnen wurde in innovativer Form thematisiert. Das Endresultat wirkt sehr ansprechend, verbindet ein ganzes Schulhaus und zeigt den Wert des Gestaltens gegen aussen. Alle vier Kriterien (Bezug zur Lebenswelt, kreativer Freiraum, praktische Umsetzung und Originalität) sind erfüllt.

2. Preis: Kindergarten Wunderkiste, Attiswil, «Zaubercomputer»
Jedes Kind gestaltete nach seiner Fantasie aus einer Zigarrenschachtel einen «Laptop» mit persönlichem Hintergrundbild, Maus, Ladestecker und Innenleben aus alten Computerbestandteilen. Auf dem «Bildschirm» können sie nun auf spielerische Weise Arbeitsblätter lösen.

Gestaltungspreis_2020_Attiswil_Zaubercomputer

Fazit der Jury:
Stufengerecht und originell führt das Projekt die Kindergartenkinder an die Welt der Computer und der Technik heran, schafft eine Verbindung zwischen analog und digital und lässt sie ihre Vorstellungen und Ideen über elektronische Geräte fantasievoll ausleben. Alle vier Kriterien (Bezug zur Lebenswelt, kreativer Freiraum, praktische Umsetzung und Originalität) sind erfüllt.

3. Preis: Schule Seidenberg, Muri-Gümligen, «Flickwochen»
Alle 320 Schülerinnen und Schüler der Schule Seidenberg konnten von zuhause Kleider zum Flicken mitbringen. 160 Kinder und Jugendliche haben schliesslich im Textilen Gestalten (5. bis 9. Klasse) die Kleider wieder instand gestellt, damit einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet und viel über den Umgang mit Ressourcen in der Textilindustrie gelernt.

Gestaltungspreis_2020_Muri-Guemligen_Flickwochen

Fazit der Jury:
Mutig und innovativ hat die Schule ein grosses Projekt umgesetzt, das Nachhaltigkeit nicht nur konkret erlebbar macht, sondern vielleicht sogar das Verhalten der Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeinflusst. Die drei Kriterien (Bezug zur Lebenswelt, praktische Umsetzung und Originalität) sind voll erfüllt, das vierte (kreativer Freiraum) ist teilweise erfüllt.

Corona-Sonderpreis: Schule Rüeggisberg, «Wasserspiel»
Während des Fernunterrichts im Frühling erhielten die Schülerinnen und Schüler (Kindergarten bis 6. Klasse) den Auftrag, mit verschiedenen, zuhause verfügbaren Materialien ein Wasserspiel, respektive eine Wasserbahn zu bauen. Das Resultat dokumentierten sie individuell mit einem Video.

Gestaltungspreis_2020_Rueeggisberg_Wasserspiel

Fazit der Jury:
Ein einfaches, sinnliches Fernunterrichts-Projekt, das den Kindern viel Freiraum zum Tüfteln und Experimentieren lässt, sie zum draussen spielen animiert und die ganze Familie teilhaben lässt. Die drei Kriterien (Bezug zur Lebenswelt, kreativer Freiraum und praktische Umsetzung) sind voll erfüllt, das vierte (Originalität) ist teilweise erfüllt.