Beim Betreten des riesigen Gebäudekomplexes erinnert wenig an die ehemalige Grossmolkerei. Im Internet ist einiges über die spannende Geschichte des Toni-Areals in Zürich nachzulesen und macht Lust, den Campus weiter zu entdecken – was mit einer öffentlichen Führung auch durchaus möglich ist!

Wir allerdings steigen in den Keller des Museum für Gestaltung – dorthin, wo Sammlungen eben in der Regel aufbewahrt werden. Wie der Name bereits aussagt, ist die über eine halbe Million Objekte umfassende Sammlung auch als Ausstellung gedacht. Ausserdem dient sie der Lehre und der Forschung. So wird zum Beispiel das Verkehrsschild «Fussgänger» in seiner Form aus den Fünfzigerjahren bis zum heutigen geschlechterneutralen Bild gezeigt oder Objekte verschiedener Textilkünstlerinnen werden als Gruppe arrangiert. Ich bin fast sicher, dass unsere charmante Kunstvermittlerin zu jedem der Stücke eine Geschichte oder Anekdote kennt.

Wandbehang von Elsie Giauque

Spätestens dann, als wir ein Stockwerk tiefer zur Sammlung der textilen Objekte gelangen steigt, die Begeisterung für die vielen Designklassiker und die Lust am Aufspüren weiterer Schätze. So entdeckt frau hinter schützenden Vorhängen unter anderem einen wunderschönen Wandbehang von Elsie Giauque. Viele der textilen Designschätze werden allerdings in Schachteln, Schränken und Schubladen aufbewahrt, so dass nur wohlbekannte Namen zu lesen oder kleine Bildchen zu sehen sind. Zu schnell ist die vereinbarte Stunde der Führung durch das Schaulager vorüber, doch die geduldige Vermittlerin spürt unsere Begeisterung und zeigt uns noch das «Holzlager» und lässt uns einen Blick in die weltberühmte Plakatsammlung werfen. Diese Originale werden allerdings aus konservatorischen Gründen in Schubladen gelagert und sind Folge dessen nicht zu sehen.

Ein bisschen betrübt, weil das Abenteuer im Keller des Museum für Gestaltung zu Ende ist, steigen wir wieder an das Tageslicht hinauf. Mir ‑ und ich vermute auch den zwölf Kolleginnen, welche der Einladung von lernwerk bern gefolgt sind ‑ hat dieser Einblick in die Designgeschichte sehr gut gefallen. Ich habe neues Verständnis für das Sammeln und Konservieren der Objekte und deren Nutzen für die Lehre gewonnen.

Ines Muralt (ines.muralt@lernwerkbern.ch)